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Carolin Albers

Konzept: Über Tübinger Verbindungsstudierende

Wenn man in Tübingen aufwächst, sind Studentenverbindungen von klein auf präsent – beziehungsweise ihre Villen, ihre Festungen, Burgen, Schlösser oder wie man ihre Häuser mit den Fahnen nennen mag, die sich vor allem entlang des Österbergs sowie auf dem Schlossberg aneinanderreihen. Die Bewohner sieht man nicht oft, oder sagen wir lieber: Man erkennt sie nicht unbedingt, wenn sie nicht mit Mütze und Band durch die Stadt laufen.

Verbindungen polarisieren. Für die meisten sind Verbindungen ein sexistischer, rechtsradikaler, saufender Männerhaufen, der durch Seilschaften immer auf der Sonnenseite des Lebens wandelt, Karriere macht und viel Geld verdient. Auf der anderen Seite probieren die Verbindungsstudierende natürlich, ihrem Negativ-Image entgegenzuwirken. Sie relativieren die Vorwürfe und erzählen vor allem von der tollen Gemeinschaft, die sich ihr Leben lang unterstützt, so einem richtigen Lebensbund eben.

Ich habe privat keine Kontakte in diese Szene, kannte nur die Vorurteile und bin automatisch auf Abstand gegangen, wenn ich von einer Person erfahren habe, dass sie in einer Verbindung ist (egal welcher). Aber ich wollte mehr wissen. Einblick in eine Welt erhalten, die mir bis dahin verschlossen war – klassische journalistische Neugier eben.
Wer sind die Menschen, die in diesen Häusern wohnen, die sich mit Band und Mütze schmücken (nicht alle machen das), die eine Fahne auf ihrem Dach haben, und die in der Mehrzahl Männer sind? Wie sind sie zu ihren jeweiligen Verbindungen gekommen? Was ist ihre Motivation, einem Bund mit seinen Traditionen und seinen mal strengeren, mal weniger strengen Regeln beizutreten? In was für einem Umfeld leben sie, was bewegt sie, was für Einstellungen haben sie? Was ist dran an den Vorurteilen?

Über 30 Verbindungen gibt es in Tübingen, das Spektrum ist groß: Jeder Bund ist anders, hat seine eigenen Regeln, seine Besonderheiten und sein Alleinstellungsmerkmal. Es fängt schon mit dem Namen an: Es gibt Corps, Landsmannschaften, Turnerschaften, Akademische Verbindungen, Burschenschaften. Fast alle sind nur für Männer, gerade mal zwei Verbindungen für Frauen gibt es, sowie ein paar weitere gemischte Verbindungen. Pflichtschlagende, fakultative schlagende und solche, die die Mensur komplett ablehnen. Farbentragende und nicht farbentragende. Reitende, singende, christliche. Liberale und Konservative.

Aus diesem Spektrum zeigt die Portraitserie Verbindungsstudierende aus verschiedenen Bünden in Tübingen.